Ein guter Wein in guter Gesellschaft. Was gibt es Schöneres?

 

Die 4 Schritte

Um einen Wein kennenzulernen, gibt es vier konventionelle Schritte, die dabei helfen, den Wein in seinem ganzen Spektrum wahrzunehmen. Sei dabei mutig, deine ganz eigenen Adjektive und Beschreibungen zu verwenden.

Ich habe mich für diese Degustation für vier biologische Weine entschieden. Da mein letzter Beitrag über ein Schweizer Weingut war, habe ich dieses Mal je einen Bio-Wein aus FrankreichItalienÖsterreich und Deutschland gewählt.

1. Schauen

Halte dein Weinglas leicht schräg über eine helle Oberfläche und/oder gegen das Licht. So kannst du die Farbe des Weins erkennen. Junge Rotweine sind tendenziell bläulich-rot bis fast purpur, reife Rotweine tendieren zu einem ziegelfarbigen Rot bis hin zu Braun. Bei qualitativ guten Weinen spiegelt die Oberfläche des Weins sauber. Matt, fleckig, trüb, milchig oder flockig sind alles Zeichen für Fehler. Einwandfreie Weine werden als hell, glanzhell oder klar bezeichnet. Was siehst du?

2. Schwenken

Schwenke dein Weinglas sanft im Kreis. Entweder in der Luft, oder am Anfang ist es hilfreich, das Glas auf dem Tisch abzustellen und mit dem Fuss des Glases kreisförmige Bewegungen auszuführen. Dabei kannst du zum Beispiel die Tränen oder Kirchenfenster betrachten, die entstehen, wenn der Wein an die Glaswand schwappt und wieder zurückfliesst. Diese spontan gebildeten Strukturen an der Innenwand des Weinglases geben Aufschluss über den Alkoholgehalt deiner Flasche Wein. Alkoholreiche Weine erzeugen stärkere Tränen und spitzbogige Kirchenfenster, alkoholarme Weine schwächere Tränen und rundbogige Kirchenfenster. Meine italienische Flasche Wein, ein Merlot, hatte zum Beispiel einen sehr hohen Alkoholgehalt (17,5%) und formte dementsprechend sehr spitzbogige Kirchenfenster.

 

Vier verschiedene Bio-Weine aus Deutschland, Italien, Österreich & Frankreich.

3. Schnüffeln

Durch das Schwenken verbindet sich der Wein mit Sauerstoff. Dies intensiviert seinen Geruch. Halte deine Nase ans Glas und atme tief ein. Was riechst du? Fruchtig? Blumig? Pfeffrig-würzig? Vielleicht sogar animalisch? Riecht der Wein verschlossen, dumpf, verhalten, diskret, leicht, offen, intensiv oder sogar aufdringlich? Für Rotweine sind Kirsch-, Himbeer- und Brombeeraromen charakteristisch, während Apfel-, Birnen, und Pfirsicharomen für Weissweine typisch sind.

4. Schlürfen

Und jetzt, endlich, ist es an der Zeit, den Wein auch tatsächlich zu probieren. Profis nehmen nicht nur einfach einen Schluck, sondern schlürfen den Wein, in dem sie zusätzlich zum Wein, noch Luft in den Mund saugen. Das mag komisch aussehen und klingen, hat aber erneut eine wichtige Aufgabe. Auch hier verhilft der Sauerstoff dem Wein dabei, sein Aroma noch besser zu entfalten. Jeder Wein hat sein eigenes Aroma. Es hängt vom Klima, vom Boden und von der Rebsorte ab. Was schmeckst du? Wie fühlt sich der Wein auf der Zunge / im Mund an? Und auch hier wieder, lass deiner Imagination freien Lauf: Veilchen, Sauerkirsche, Möhre, Cassis, Bitterschokolade, Pfeffer, Kuhstall, Moschus – you name it!

 

Die Vorfreude auf einen schönen Abend ist gross.

Aller Anfang ist schwer

Mit diesen vier Schritten bist du bereits einmal gut beraten. Wie zu Beginn erwähnt, Übung macht den Meister. Bilde dich weiter, geh zu Degustationenlies Bücher, versuch möglichst viele verschiedene Weine zu probieren. Führe vielleicht sogar ein Wein-Tagebuch? Zu guter Letzt: du musst definitiv kein Profi sein, um dich an Wein zu erfreuen! Das Wichtigste ist, dass du geniesst und dies ist, zumindest meiner Meinung, in guter Gesellschaft am Schönsten. Genau das habe ich für diesen Beitrag gemacht und genau das, werde ich gaaanz bald wiederholen. Chunnsch au?

Ps. Natürlich hatten wir nach der Degustation einen Favoriten. Die Jungs hatten sich in den biologischen Franzosen verliebt und mein ganz klarer Gewinner war der italienische Calle, ein mittel-schwerer, fruchtiger Merlot.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit siroop.
Alle Bilder sind von Sina Lou Ravasio.