Walk-In-Closet Schweiz: dein überdimensionaler Kleiderschrank

Kleider tauschen statt kaufen 

Nora ist 27 Jahre alt, soziokulturelle Animatorin und ist in der Jugendarbeit tätig. Ihre Freizeit verbringt sie am Liebsten mit ihren Freunden und ihrer Familie, liest und schreibt viel, kocht und bäckt gerne und ist auch sonst sehr vielseitig interessiert. Ich habe mir Nora geschnappt und ihr ein paar Fragen gestellt, weil ich mehr über ein spezielles Projekt erfahren wollte, für das sie sich seit über 6 Jahren engagiert und an dessen Aufbau sie massgeblich beteiligt war: Das Walk-In-Closet Schweiz.


Du engagierst dich für ein ganz spezielles Projekt:
 Das Walk-in Closet Schweiz – also, ein begehbarer Kleiderschrank. Worum geht es da? 

Für Walk-in Closet Schweiz engagiere ich mich seit ca. 6 Jahren, zuerst als freiwillige Organisatorin in Baden und Zürich, dann drei Jahre lang als Hauptkoordinatorin und nun als Vorstandsmitglied. Der Verein Walk-in Closet Schweiz organisiert Kleidertauschbörsen an verschiedenen Standorten in der Schweiz. Viele freiwillige Organisator*innen und Helfer*innen sind bei den Veranstaltungen dabei und engagieren sich somit für eine nachhaltigere Modewelt. Die Walk-in Closet Kleidertauschbörsen zeigen eine Alternative zum konventionellen Kleiderkonsum auf. Das Motto “Tauschen statt Kaufen” soll Menschen dazu anregen einerseits Kleider länger und nachhaltig nutzbar zu machen, andererseits über die Folgen des Kleiderkonsums nachzudenken. 

Was ist das Ziel von Walk-In-Closet – wie ist die Idee entstanden?

Die erste Walk-in Closet Kleidertauschbörse fand im Jahr 2011 in Basel statt. Menschen auf die Folgen vom Kleiderkonsum aufmerksam zu machen, Alternativen zum konventionellen Kleiderkonsum zu bieten und das Image von Kleidertauschbörsen aufzupeppen waren erste Ziele. Vor allem der “Tauschhandel” war eine wichtige Komponente des Konzepts, es sollen keine Kleider verkauft, sondern getauscht werden.  Die Idee und Umsetzung stiess bei jungen Erwachsenen auf grosses Interesse, so dass in darauffolgenden Jahren in mehreren Schweizer Städten, Freiwillige aktiv wurden und anhand von Coachings des Vereinvorstands Kleidertauschbörsen organisierten. 

Der Verein Walk-in Closet Schweiz strebt zwei Hauptveränderungen an. Die eine konzentriert sich auf die Konsumenten in der Schweiz, welche über die Produktionsbedingungen der Kleider sensibilisiert werden sollen. Die Umsetzung der Kleidertauschbörsen soll bewirken, dass mehr Menschen Kleider recyclen, upcyclen, weniger oder bewusster einkaufen und dass Kleider im Umlauf bleiben und somit die Nachfrage nach unfair produzierten Kleidern sinkt. Auch für Menschen mit kleinem Budget bieten Kleidertauschbörsen die Möglichkeit günstig an „neue“ Kleidungsstücke zu gelangen, welche somit weiterverwendet werden.

Die Sensibilisierungsarbeit soll ebenfalls bewirken, dass sich die Konsumenten beim nächsten Einkauf informieren, wie es um die Produktionsbedingungen des Kleidungsstückes steht und wünschenswerterweise sogar gewisse Marken oder Geschäfte auf unfaire Produktionsbedingungen und Preise aufmerksam machen. Ziel ist es, die Menschen hier zu motivieren, aktiv zu werden und nicht blind zu konsumieren. Walk-in Closet möchte sich aktiv dafür einsetzten, dass den Konsumenten hierzulande bewusst wird, was und wer wirklich hinter den Billigkleidern steckt. Wenn nämlich die Nachfrage nach Fairtrade-Kleidern steigt, kann auch eine Veränderung in grossen Firmen, welche billig und unfair produzieren angestrebt werden. Dies würde auch zu einer positiven Veränderung in den Produktionsländern und den unter den unfairen Bedingungen leidenden working-poor Angestellten erreicht werden. Wir möchten nicht mehr tatenlos zuschauen, wie tausende Männer und Frauen im Ausland unter menschenrechtswidrigen Bedingungen arbeiten müssen, damit andere in einer Konsumwelt schwelgen können. Der Verein Walk-in Closet Schweiz unterstützt auch Bestrebungen, welche faire Bedingungen für Näherinnen und Näher schaffen und mit kleinen Schritten eine positive Veränderung im lokalen Konsumverhalten erzielen. 

Wie funktioniert der Walk-In-Closet? 

Die Walk-in Closet Tauschbörsen finden im Frühling und Herbst in verschiedenen Städten jeweils an einem Samstag- oder Sonntagnachmittag während drei bis vier Stunden statt. Vielen Personen ist die genaue Umsetzung nicht wirklich klar, bevor sie zum ersten Mal eine Kleidertauschbörse besuchen. Weshalb auch ein kurzes Erklärungsvideo gedreht wurde:

Die Walk-in Closet Kleidertauschbörsen in wenigen Schritten erklärt:

1. Um nicht den Eindruck zu hinterlassen, dass es sich bei Walk-in Closet Kleidertauschbörsen um Kleiderentsorgungsstationen handelt, ist die abzugebende Kleideranzahl uf max. 10 Kleidungsstücke limitiert. Die Kleider werden am Empfangsposten abgegeben und von unseren freiwilligen Helfer*innen sortiert und aufgehängt. Mitgebrachtes muss sauber und in einem guten Zustand sein. Die Anzahl Kleidungsstücke, die die BesucherInnen mit nach Hause nehmen dürfen, ist ebenfalls auf max. 10 Kleidungsstücke limitiert.

2. Die Veranstaltung funktioniert ohne Anmeldung.  Eine Stunde vor Beginn der Kleidertauschbörse können die Kleider bereits abgegeben werden.

3. Für die Sensibilisierung arbeiten die Organisatorinnen mit Public Eye zusammen, die sich mit nachhaltigem Konsum auseinandersetzen. Ziel ist, dass alle Besuchenden über Informationen in Bezug auf Kleiderproduktion und dessen Folgen informiert werden. 

4. Auch das «Nähatelier» und die «UpcyclingStation» hat sich als fester Bestandteil an den Kleidertauschbörsen etabliert. Die BesucherInnen können ihre Kleider umnähen oder upcyclen, d.h. mit verschiedenen Materialien aufwerten lassen.

5.  Die übriggebliebenen Kleider werden wohltätigen Organisationen/ Institutionen gespendet wie Caritas, Asyl- Empfangszentren, Winterhilfe, dem Pfuusbus usw.

 

Ich möchte mitmachen – was muss ich tun? 

Der Verein bietet auf eine einfache Art die Möglichkeit, sich zu engagieren. Du kannst also ganz einfach Teil unserer Bewegung werden: Schreib ein Mail an info@walkincloset.ch oder per facebook und instagram und teile uns mit, inwiefern du mitwirken möchtest. Wir freuen uns immer über neue Helfer*innen oder Organisator*innen, denn sobald neue Freiwillige und somit neue Standorte hinzukommen, wird auch die Bandbreite an BesucherInnen grösser, welche auf das Thema «Nachhaltiger Kleiderkonsum» aufmerksam gemacht werden können. Ziel von Walk-in Closet Schweiz ist es vor allem, Menschen zu motivieren, aktiv zu werden und nicht blind zu konsumieren.

Wo finden die nächsten Veranstaltungen statt? 

Alle Informationen über die kommenden Veranstaltung sind auf unserer Homepage www.walkincloset.ch zu finden. Die Frühlingsreihe 2018 startet am 11. März in Wohlen.

Muss ich selber Kleider bringen? Oder kann ich auch ohne Kleider kommen? 

Eine Kleidertauschbörse funktioniert eigentlich nur richtig fair, wenn von allen etwas mitgebracht wird. Natürlich haben wir aber auch schon Ausnahmen gemacht. Grundsätzlich gilt die Regel: Mind. ein Kleidungsstück muss abgegeben werden. Das lustige an Kleidertauschbörsen ist ja auch, wenn plötzlich jemand mit den eigenen Kleidern gesichtet wird und so Gespräche entstehen. 🙂

Wen treffe ich an so einem Event? 

Die Besucher*innen von Walk-in Closet Kleidertauschbörsen sind meist buntdurchmischt, auf unserem Flyer steht auch dass die Veranstaltungen für alle sind: all size, age and gender! Frauen sind aber meist besser vertreten, aber der Männeranteil steigt stetig 🙂 Die Kleidertauschbörsen werden von bereits sehr bewussten Konsument*innen bis zu gar nicht informierten Menschen besucht, das macht das Ganze auch so spannend. Viele auch freiwillige Helfer*innen werden durch die Kleidertauschbörsen dazu angeregt, ihren Konsum zu reflektieren.

Was trägt Walk-In-Closet zu einem nachhaltigeren Lifestyle bei? 

Die Sensibilisierung zu Themen der Kleiderproduktion ist ein wichtiger Teil der Walk-in Closet Veranstaltungen. Der Verein setzt sich für Transparenz in der Billigproduktion der Kleiderindustrie ein und strebt eine Nachfrage nach Fairtrade-Kleidung an, damit die Produktion von billigen und unfair produzierten Kleidungsstücken sinkt. Denn nicht nur die Konsumenten, sondern auch die Firmen müssen in die Verantwortung gezogen werden. Der Verein fördert den nachhaltigen Kleiderkonsum auch, in dem er an den einzelnen Veranstaltungen sowie auf den Socialmedia Kanälen Sensibilisierungsarbeit leistet. Ich glaube, der wichtigste Effekt ist, dass die Besucher*innen tauschen statt kaufen und ihren Konsum reflektieren.


Dieser Beitrag entstand aus Interesse am Walk-In-Closet Konzept. Die Bilder wurden mir von Walk-In-Closet Schweiz zur Verfügung gestellt.  

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