Slacklining

Wieso Slacklining viel mehr als nur ein “von A nach B – balancieren” ist.

Kürzlich führte mich mein Weekend Entspannungsritual nach Flims, genauer, zum Cauma See. Falls du noch nie da warst. Do it. Dieser See fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Wie immer bin ich gefangen von dieser wunderschönen Kreation der Natur. Dieses Mal ist aber eine Sache anders. Restaurant ist da, wie immer. Kleine Boote und Stand Up Paddler sind da, wie immer. Schwimmer, Taucher und Geniesser sind da, wie immer. Auch der See, wunderschön blau, unglaublich klar und erfrischend, wie immer. Aber, dieses Mal, hängen da, Spinnweben-gleich, diverse Slacklines. Gespannt vom Ufer bis zur kleinen Insel in der Mitte des Sees.

In beträchtlicher Höhe balancieren grosse und kleine Menschen von der einen Seite zur anderen. Zugegeben, ich bin irgendwie gefesselt von diesem Schauspiel. Was für ein Panorama!

Und, obwohl die Slackliner gesichert sind, tunkt sich der eine oder andere doch zwischendurch mal ins kühle Wasser. “Ich will auch!”

Eigentlich habe ich diverse Kollegen in meinem Freundeskreis, die seit längerer Zeit slacklinen. Ich weiss auch, dass sie ihre Lines nicht immer simpel zwischen zwei kleinen Bäumchen im Park spannen, sondern dass da diverse spektakuläre und ständig wechselnde Locations mit im Spiel sind. Vor langer Zeit stand ich sogar selber einmal auf einer Slackline auf der Landiwiese in Zürich. Ich stellte mich dazumals aber nicht sonderlich talentiert an und ging am Abend ins Bett, ohne mit der Slackline Begeisterung infiziert zu sein.

Okay, ich habe eine Slackline gekauft, was jetzt? Bild Credit: Nicole Rötheli
Okay, ich habe eine Slackline gekauft, was jetzt? Bild Credit: Nicole Rötheli

Als ich aber an diesem sonnigen Samstag am Cauma See sass, beschloss ich, dass es Zeit für einen zweiten Anlauf ist. Zurück in Zürich durchforste ich siroop auf ein passendes Angebot. Und tatsächlich, 2 Tage später bin ich stolze Besitzerin einer Slackline. Bevor ich das Ding nun aber spanne und mich in “Lebensgefahr” begebe, entscheide ich mich dazu, meine zuvor erwähnten Connections zu nutzen und ein paar Tipps von einem richtigen Profi einzuholen:

Samuel Volery, 32 aus Uster, ist einer der Gründer von Slacktivity, einer Bude die Slacklines herstellt. Er hat auf der Slackline bereits mehrere Weltrekorde aufgestellt und macht regelmässig Highline Shows (Slacklines, die in atemberaubender Höhe gespannt werden). An ihn habe ich meine brennendsten Fragen gerichtet:

Wie bist du zum Slacklining gekommen? Was fasziniert dich am meisten daran?

Ich hatte mir das Kreuzband gerissen und dann nach einem Therapiegerät gesucht, um mein Knie zu stabilisieren. Dabei bin ich auf das Slacklining gestossen und ja, es hat perfekt geholfen. Da hat es mich dann auch gepackt und ich habe immer intensiver trainiert. Mittlerweile trainiere ich seit 10 Jahren. In dieser Zeit kann man sehr viel erreichen, vor allem auch mit Geduld. Man darf nie aufgeben und muss einfach dranbleiben.

Die Leute denken immer, sie hätten keine Balance. Aber das stimmt nicht, jeder kann Slacklining lernen.

Am Slacklining fasziniert mich, glaube ich, die Abwechslung am meisten. Es geht ganz und gar nicht darum, nur über ein Seil zu balancieren – im Gegenteil – das ist ein sehr kleiner Teil dieses Sports. Slacklining kann total verspielt sein – mit akrobatischen Kunststücken, wie zum Beispiel Saltos. Dann gibt es das Highlining, wo Slacklines in grosser Höhe gespannt werden. Längere Distanzen auf Slacklines sind zum Beispiel sehr meditativ. Und, man kann die Line immer genau so einstellen, dass man am persönlichen Limit trainiert. So findet man immer seine persönliche Challenge auf dem richtigen Niveau. Je besser man wird, desto mehr Abwechslung und desto mehr Spass macht es.

Was hast du noch vor für die Zukunft? Welches ist der speziellste Ort, an dem du noch eine Slackline spannen möchtest?

Ich möchte endlich einmal ein Video produzieren, das die ganze Bandweite des Sportes zeigt und kurz zusammenfasst und somit mit dem Vorurteil des “von A nach B – balancierens” aufräumt.

Ich fände es super, einmal über einen Vulkankrater zu gehen. Da gibt es aber einiges zu bedenken, wie zum Beispiel die Gefahren durch giftige Gase oder brüchiges Gestein. Wobei man zumindest das brüchige Gestein gut umgehen kann. Ich denke, irgendwann sind die langen Distanzen für mich abgehakt. Dann wünsche ich mir auf jeden Fall, noch mehr alpine Highlines zu spannen und auch noch mehr Shows an speziellen Orten zu geben – dafür hat die Schweiz sehr viel Potential mit vielen wunderschönen Bergregionen. Ich habe zum Beispiel kürzlich eine Show auf dem Pilatus gemacht.

Ist Slacklining gefährlich?

Das kommt auf die Disziplin an. Jumping (mit Saltos), das kann, wenn man übertreibt, durchaus gefährlich werden. Highlining ist jedoch völlig ungefährlich und eine wunderbare Therapie, nicht nur für die Psyche, sondern zum Beispiel auch für Rückenprobleme. Es hilft die Bänder zu stärken und aktiviert die gesamte Muskulatur des Körpers.

Praktisch, so eine Slackline! Bild Credit: Nicole Rötheli
Praktisch, so eine Slackline! Bild Credit: Nicole Rötheli

Kann man vom Slacklining leben?

Ja, ich würde mich zwar nicht als Profisportler bezeichnen, aber weil ich auch noch Slacklining Material entwickle und verkaufe, kann ich davon leben.

Ich habe mir eine Slackline gekauft. Was jetzt?

Vorerst ist es sicher wichtig, die Slackline kurz zu spannen und nicht zu hoch (5m Länge bei ca. 20-30cm Höhe). Sehr hilfreich für den Anfang ist auch, wenn die Line sehr straff gespannt ist. Als erster Schritt ist es das Beste, einfach einmal zu versuchen, auf einem Bein stehen zu bleiben, ohne gleich loslaufen zu wollen. Wichtig ist dabei, jeweils beide Seiten gleichwertig zu trainieren. Eine gute Übung ist auch ins Knie zu gehen und dann das Bein wieder zu strecken. Ein wichtiger Faktor sind die Arme, die jeweils auf Schulterhöhe ausgestreckt sein sollten, um die Balance zu unterstützen. Und – locker bleiben, trotz all der neuen Eindrücke. Das Schöne beim Slacklining ist, dass man ziemlich schnell erste Erfolge verbuchen kann. Mit einer Stunde Geduld kann man bereits einiges erreichen.

Ich sag nur eins: Cauma See, ich komme. Bald.

Slackline Bestandteile

Die verschiedenen Bestandteile meiner Slackline von siroop. Bild: Nicole Rötheli
Die verschiedenen Bestandteile meiner Slackline von siroop. Bild: Nicole Rötheli

Samuel Volery findest du auf Facebook, seine Website

Nicole Rötheli findest du auf Facebook, ihre Website

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mir siroop.ch entstanden.

0 comments
1 like
Next post: Hallo Yoga. Ich liebe dich.

Related posts

Leave a Reply

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.