Real-Talk: Wieso ich meine Visitenkarten am liebsten wegwerfen würde

Ich habe einen Fehler gemacht: ich habe mir Visitenkarten drucken lassen. Das an sich ist ja eine tolle Idee. Das Design gefällt mir, das Papier ist recycliert und der Preis stimmt auch. Aber, ich habe da drauf geschrieben: Anina Mutter, Blogger & Influencer. INFLUENCER. Ein Wort, das momentan gerade ziemlich durch den Dreck gezogen wird und ich verstehe auch sehr gut wieso. Peinliche Produktplatzierungen, regelrechte Prostitution für zwielichtige und billige Produkte. Jeder verkauft, jeder scheint irgendetwas an seine Followers bringen zu wollen. Ich würde mich da als Konsument irgendwie auch ein bisschen verarscht fühlen bzw. alles andere als inspiriert oder nur minimal dazu verleitet, ein so präsentiertes Produkt zu kaufen. Ich lasse mir ja nicht vorschreiben, was ich kaufen soll. Geschweige denn, lasse ich mich beeinflussen! (bzw. ich möchte zumindest in dem Glauben gelassen werden, dass dem so ist!)

Wann und wieso kaufe ich was, wenn ich es bei jemandem sehe? Entweder inspiriert mich diese Person, sei das wegen ihrem Lifestyle, ihren Projekten oder vielleicht auch nur wegen ihrem Aussehen. Aber aus irgendeinem Grund verfolge ich das Leben dieser Person. Automatisch interessiere ich mich auch dafür, was diese Person für Produkte benutzt, wie sie ihre Freizeit verbringt, etc. und ich möchte daran teilhaben. Wenn ich mir ein Stück davon kaufen kann, umso besser. Der grosse Unterschied? Diese Person INSPIRIERT mich. Und dadurch hat sie auch einen Einfluss auf mich. An erster Stelle steht aber die Inspiration, an zweiter der bewusste oder unbewusste Einfluss. Wenn aber das “Beeinflussen” aka der Verkauf von Produkten an erster Stelle steht, dann geht da irgendwo dazwischen die Magie verloren.

Jetzt stehe ich da und realisiere, dass ich mich selber auch “Influencer” genannt habe. Sogar auf meiner Visitenkarte. Ja, auf den ersten Blick war das praktisch. Ein Begriff unter dem sich einige Brands und Agenturen bereits etwas vorstellen konnten. Es umschrieb die Tatsache, dass ich eine mehr oder weniger öffentliche Person bin, mit einem Blog und einer Fanbase aka man-kann-mit-mir-arbeiten und gemeinsam Kampagnen umsetzen. Solche Kooperationen sind natürlich sehr interessant, weil man da teilweise auch etwas verdienen kann. Ein Job halt. Weiter habe ich nicht gedacht. Denn, aufgrund meiner ganz persönlichen, sehr kritischen und klaren Orientierung zum Thema Nachhaltigkeit, sortiere ich eine grosse Zahl aller Anfragen automatisch schon im Vorhinein aus. Ich wäge ganz genau ab, mit wem ich zusammenarbeiten möchte und hinter welchem Brand ich stehen kann. Zugegeben, ich mache mir dadurch das Leben nicht unbedingt einfacher, eher schwieriger. Ich habe schon ein paar lukrative Angebote in den Wind geschlagen. Aber guess what. Mir geht es in erster Linie um Glaubwürdigkeit. Um Authentizität (geiles Wort). Was ich aber nicht will, ist Menschen, die meine Worte lesen, meine Bilder liken, meinen Lifestyle mitverfolgen in irgendeiner Art hinterlistig beeinflussen. Ganz im Gegenteil. In erster Linie ist das sogar eher eine Ego-Show, eine narzistische Selbstdarstellung meiner Selbst, im Versuch, die Welt zu retten oder wenigstens vielleicht ein bisschen besser zu machen. Wenn das jemandem gefällt, umso schöner! Wenn sich jemand inspiriert fühlt, umso besser! Weil, dass ich alleine um einiges weniger bewegen kann, als wir alle zusammen, dessen bin ich mir doch, auch trotz Egotrip, mehr als bewusst.

So now what? Ich bestell mir nun wohl Stickers mit “Inspiratrix” oder “Ego-Maniac with a Fanbase” oder noch besser, ohne Bezeichnung. Ich bin ich. Anina Mutter, die irgendwas versucht, woran sie glaubt. Das was ich herausfinde und für wertvoll befinde, teile ich mit wem auch immer es hören oder sehen möchte. That’s it. Alles andere entscheidest du. Vielleicht spürst du dann auch ein kleines bisschen von dieser Magie, die entsteht, wenn Menschen ihre inspirierenden Ideen und Gedanken teilen und man ein klein wenig Teil davon sein kann, davon lernen darf, damit wachsen darf. Oder ich weiss, ich schreibe auf meine Stickers einfach: “aspiring magician”. Wer ist dein/e MagierIn?

ps. Eine Bloggerin, “Inspiratrix” oder wie auch immer ich sie jetzt nennen will, die mich inspiriert ist Dariadaria. Gnadenlos, geradeaus, ehrlich und gerade deswegen umso inspirierender und erfolgreicher. Check her out! Unendlich authentisch und liebenswert ist auch Sabrina von Healthy & Happy. Frauen an die Macht!

Bild: Sina Lou Ravasio

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