Real-Talk: Ein paar Gedanken zum weiblichen Körper.

Jetzt mal ganz im Ernst. Ich glaube, ich habe keine einzige Freundin / weibliche Person in meinem Umfeld, die nicht in irgendeiner Art und Weise mit ihrem Körper hadert. Ich inklusive. Die meisten fühlen sich zu dick. Und wollen mindestens 3-4 Kilo abnehmen. Kampf mit der Cellulite. Kampf mit schlabrigen Oberarmen. Kampf mit gefühlsmässig überdimensionalen Oberschenkeln. Kampf mit einem Bauch, der eher nicht perfekt flach bzw. übermässig dünn ist. Gewisse auch mit bulimischen Tendenzen. Andere verheiratet mit dem Jojo-Effekt. Was wir alle (unbewusst, weil seit jeher antrainiert / eingeimpft) anstreben? Eine fettfreie Existenz. Grosse, wohlgeformte Brüste. Beine ohne Cellulite, egal in welcher Stellung / Bewegung sich das Bein befindet. Also Perfekt-sein halt. Denn es scheint ja möglich zu sein. Selbst wenn wir uns immer wieder selbst vorhalten, dass all die öffentlich präsenten Vorbilder mehr Fake als echt sind, nagen doch ständig die Zweifel, dass der Fehler wohl doch bei einem selbst liegt. Zu wenig Disziplin, zu wenig Sport, zu viel Essen, was weiss ich.

Zur Info: wenn ich wie ein Skelett aussehen will, dann muss ich mich wie ein Skelett ernähren. Ergo, ich muss verhungern. Denn, ich selber esse gesund, ausgewogen ( manchmal mit gewissen Eskapaden) und mache sehr viel Sport. Und werde trotzdem schon beinahe in die Kategorie „Übergrössen-Model“ verfrachtet. Aha?!

Wieso wir alle meinen, dass wir Skelette werden wollen? Weil wir dann glücklicher sind. Wieso wir dann glücklicher sind? Weil wir dann eventuell mehr Anerkennung bekommen, bzw. uns selbst ein bisschen lieber haben? Weil wir uns dann mit den von aussen gestellten Anforderungen konform fühlen? Weil, als Frau verlässt du nur selten das Haus und bist einfach. Nein, du bist in einem konstanten Austausch mit deinem Umfeld. Aber nicht im positiven, kommunikativen Sinne (das natürlich auch) Aber da ist auch ein grosser Teil in einer Art Rating-Austausch: Wie kommt dein Outfit an. Hat gerade jemand deinen Pickel angestarrt. Deine Haare fallen nicht so wie sie sollten. Vielleicht bilden deine Hosen gerade einen Camel-Toe zwischen deinen Beinen, wie peinlich. Oder deine Nippel drücken sich leicht durch dein Shirt ab. Wie setzt du dich hin, damit deine Beine nicht so aufeinander oder auf den Stuhl gepresst werden, dass eine eventuelle Cellulite sichtbar werden könnte. Drückt die Hotpants unvorteilhaft auf den Oberschenkel. Schiebt sich eine Hautfalte über den Bund deiner Jeans? Glänzt deine Gesichtshaut? Sind deine Beine perfekt genug rasiert? Ist dein Outfit (je nach Charakter) auffällig genug / unauffällig genug. UND SO WEITER!!

Meine Frage: wann wird ein Moment auch einmal ohne diesen Grundton, dieser ständigen Bewusstheit genossen? Ich behaupte: seltenst!

Und nein, dieser Text endet jetzt nicht in einem Aufruf zu mehr Body-Positivity. Also ja doch, vielleicht. Aber eigentlich ist es mehr eine Feststellung, eine Frage. Ein schriftliches Wundern, wie weit uns die Gesellschaft gebracht hat. Irgendwie ist es anstrengend ein weibliches Wesen zu sein (auch wenn ich es als das Beste gleichzeitig empfinde). Auf jeden Fall. Ich sehe es nicht als Lösung, nun, als rebellische Gegenreaktion, einfach all diese „Ideale“ über Bord zu werfen und ab sofort unrasiert, fett und mit einer „I don’t care“ – Mentalität herumzulaufen. Denn das ist ein Teil der Body-Positivity-Bewegung, mit der ich meine Mühe habe. Denn, wenn dies dann als Entschuldigung genommen wird, mich haltlos mit Eis und Chips vollzufressen, dann wurde in meinen Augen das Ziel erneut weit verfehlt.

Ich möchte einen schönen, gesunden, weiblichen Körper. Ich möchte mich liebevoll stylen, mir überlegen, was ich anziehe. Ich möchte mich sexy, unwiderstehlich fühlen. Ich möchte gut aussehen in meinem Outfit und ich möchte mich schön fühlen. Und, natürlich hat auch jeder eine andere Vorstellung davon, was schön ist. Viele aber leider eine krankhafte. Ich auch ein bisschen. Manchmal. (vor allem von meiner hormonellen Phase abhängig).

Mein Wunsch wäre, dass wir alle zu gesunden und schönen Körpern zurückfinden könnten, weil wir mehr Bewegung, mehr gesunde Ernährung, mehr Liebe und Akzeptanz vorfinden, für andere aber vor allem für uns selbst. Ich möchte in einer Gesellschaft leben, die nach echten und realen Vorbildern fragt und krankhafte und extreme Ausprägungen ablehnt. Extreme sind niemals gesund. Das habe ich zumindest für mich selbst herausgefunden. Also eine Art Body Positivity, bei der wir aber das Potential unserer Körper ausschöpfen, die Muskeln aktivieren, die wir haben, alle 5 Sinne einsetzen und LEBEN. Das macht uns doch automatisch schön, wenn wir mehr Energie darauf verwenden, Dinge zu erleben, Projekte zu stemmen, die Natur zu geniessen, die Muskeln zu bewegen. Ohne einem ständigen Rating, von aussen, von innen. Und mit viel Akzeptanz und vor allem VIEL Liebe. Ist das möglich?

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