Pascal Christ baut Gitarren – auch für Angus Stone

Pascal Christ – Gitarrenbauer & Musiker aus Leidenschaft

Pascal und mich verbinden verschiedene Sachen – unter anderem auch die Tatsache, dass wir beide im Laufenthal aufgewachsen sind. Das ist eine kleine Region Nähe Jura, die schon seit immer eine Art Eigenleben in verschiedenen Bereichen kultivierte. Zum Beispiel auch in der Rockszene, in der ich mich, dazumal (vor gefühlt 1000 Jahren) sehr ausgiebig getummelt habe. Pascal auch. Nur lustigerweise haben sich unsere Wege, trotz unzähliger gemeinsamer Kontakte, zu dieser Zeit nicht gekreuzt. Erst viel später, lernten wir uns durch eine gemeinsame Freundin kennen. Ich war sofort fasziniert von der Kunst des Gitarrenbauens und wollte mehr über Pascal und seine Geschichte erfahren.

Von der Garage zum Atelier – von einer Gitarre zu vielen Gitarren

Pascal ist eigentlich gelernter Polymechaniker, 34 Jahre alt, und seit geraumer Zeit auch leidenschaftlicher Musiker und Gitarrenbauer. Er hat bereits in seinen Teenager-Jahren an seinen eigenen Gitarren herumgebastelt, diese repariert und optimiert. Als er 2015 in ein Haus mit einer grossen Garage zog, begann er dort seine ersten Gitarren zu bauen. Aus der Garage wurde ein Atelier und aus einer Gitarre wurden viele Gitarren.

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Was ist das Schönste am Gitarre bauen?

(Pascal schmunzelt) Gilt ALLES als Antwort? Hm, mich fasziniert vom Planen des Designs, bis zur Auswahl der Hölzer, bis zum ersten Anspielen der Saiten und zur Übergabe des Instruments an den Kunden so ziemlich alles an dieser Handwerkskunst. Aber ganz grundsätzlich finde ich es das Schönste am Gitarre bauen, das Funkeln in den Augen des neuen Besitzers, wenn er seine ganz eigene Gitarre zum ersten Mal in den Händen hält. Es berührt mich, ein Instrument zu erschaffen, das über Generationen erhalten bleibt und mit seinen Tönen viele Menschen positiv berühren wird.

Was ist das Schwierigste am Gitarre bauen?

(wieder das Schmunzeln) Schwierig? Ist doch ganz einfach! Spass beiseite: ich denke, die grösste Herausforderung ist es, sich den Gitarrenbau selber anzueignen. Eine weitere «Schwierigkeit» ist es, ein elegantes, zeitloses Design mit tonalen Qualitäten zu vereinen.

Was bedeutet La Réselle?

La Réselle heisst die Strasse, wo das Haus steht in dem ich angefangen habe Gitarren zu bauen. Mein Logo ist der Baum, den ich jeden Morgen gesehen habe, als ich auf meiner Terrasse stand und meinen Kaffee getrunken habe.

Wie muss man sich die Herstellung einer Gitarre vorstellen?

Wie der romantischste Liebesfilm mit dem bestem Soundtrack und einem wunderschönen Happy End!

Für wen hast du schon Gitarren gebaut?

Zu meinen Kunden zählen passionierte Musiker, Studio Gitarristen, Jazz Studenten und mittlerweile durfte ich auch internationale Musiker, die auf grossen Bühnen spielen, mit Gitarren von mir ausstatten.

Du hast für Angus Stone eine Gitarre gebaut? Wie fühlt sich das an, wenn ein Angus Stone auf deiner Gitarre spielt?

Ja das ist so. Ich habe vor einigen Jahren Angus und Julia Stone’s Gitarristen (der mitunter auch bei Passenger Studio- und Live Gitarrist ist) kennengelernt. Daraus hatte sich eine Freundschaft entwickelt. Das ist übrigens der Gitarrenspieler aus meinem Gitarrenbau-Video. Auf meiner Weltreise im 2017 trafen wir uns wieder in Australien, worauf er Angus von meinen Gitarren erzählte.

Angus war angetan von der Idee eine «Custom Guitar» aus Schweizer Holz zu spielen. Eine Woche nach meiner Ankunft zurück in der kalten Schweiz spielten Angus und Julia in Zürich. Ich brachte einige Holzmuster mit und verbrachte den Nachmittag mit ihnen, während dem sie das Holz für Angus’s Gitarre aussuchten. Noch am selben Abend performte er mit einer meiner Gitarren auf der Bühne ihren Hit «Big Jet Plane»!

Ich möchte auch eine Gitarre von dir – wie muss ich vorgehen? Wie viel kostet so was?

Am besten besuchst Du meine Webseite und stöberst da ein bisschen und zwar genau so lange, bis Du es nicht mehr lassen kannst, mir eine Email zu schreiben. Zudem bin ich auch auf Social Media (Facebook & Instagram) zu finden. Da kann man sehr gerne Kontakt mit mir aufnehmen & die neuesten Arbeiten von mir mitverfolgen und sich inspirieren lassen.

Eine kundenspezifisch angefertigte Gitarre bekommt man bei mir, inklusive Gitarrenkoffer, bereits zwischen ca. CHF 3800 – CHF 4500, was circa 200 Stunden Arbeit beinhaltet. Der Preis hängt von der Holzwahl, optionalen Tonabnehmern, sowie der Anzahl und Komplexität der Intarsien z.B auf dem Griffbrett und weiteren individuellen Anpassungen ab. Jegliche erdenkliche Personalisierung ist möglich. Die Gitarren welche ich für Ausstellungen baue und keine Kundenanfertigungen sind, verkaufe ich um einiges günstiger.

Was hast du für eine Beziehung zu deinen Gitarren? Tut das weh, wenn du eine verkaufst?

Weh tut’s nicht. Aber es ist definitiv immer ein emotionaler Moment. Einerseits weil in jedem Instrument sehr viel Liebe steckt und anderseits weil ich derjenige sein darf der Jemandem sein Instrument fürs Leben baut.

Wohin möchtest du mit La Réselle?

Eine grundsätzliche Schwierigkeit in meinem Business ist, dass meine potentiellen Kunden, also Musiker, selten gutverdienend sind. Ich möchte jedoch trotzdem Gitarren für Musiker bauen, die auf kleinen und grossen Bühnen unterwegs sind. Es ist nicht einfach, ein so aufwändig handgemachtes Produkt zu marktfähigen Preisen anzubieten. Ich möchte mit Qualität und Exklusivität überzeugen. Ich arbeite daher lieber für einen kleineren Stundenlohn und mache dafür jemanden glücklich, indem ich ihm ein Instrument fürs Leben baue. Zudem biete ich auch Reparaturen aller Art an. Das soll helfen der Wegwerfgesellschaft entgegen zu wirken. Ich definiere mich und La Réselle über folgende Punkte:

  • «One of a kind»
  • «nachhaltig»
  • «Die Gitarre für Performer und Artists»

 Ich möchte jedoch trotzdem Gitarren für Musiker bauen, die auf kleinen und grossen Bühnen unterwegs sind. Es ist nicht einfach, ein so aufwändig handgemachtes Produkt zu marktfähigen Preisen anzubieten. Ich möchte mit Qualität und Exklusivität überzeugen. Ich arbeite daher lieber für einen kleineren Stundenlohn und mache dafür jemanden glücklich, indem ich ihm ein Instrument fürs Leben baue. 

— Pascal Christ

Was für Hölzer verwendest Du?

Ich arbeite gerne mit einheimischen Holzarten wie Nussbaum, Kirsche, Ahorn, Apfel, Robinie und Zwetschge. Aus Mangoholz (nicht einheimisch) habe ich auch schon eine sehr exklusive, gut klingende Gitarre gebaut. Auf Kundenwunsch baue ich auch mit klassischen Tonhölzern aus aller Welt. Wobei ich bei diesen Holzarten sehr auf die Herkunft und die FSC Zertifizierung achte.

Was für Gitarren baust du?

Akustische Stahlsaiten Gitarren (Western).

Was ist deine Definition von Glück und Erfolg?

Glück ist für mich: «Love what you do and do what you love». Dieser Leitspruch ist meine Anleitung, um glücklich zu sein. Erfolge unterteile ich gerne in berufliche und persönliche Erfolge. Klar ist es wichtig mit seinem Business Geld zu verdienen und sich selber entlöhnen zu können. Ebenso wichtig ist es für mich aber auch zu realisieren, was ich in den vergangenen 3 Jahren bereits aufgebaut und zielstrebig verfolgt habe.

Es bleibt auf jeden Fall spannend.. 

Was Pascal Christ in den letzten drei Jahren erreicht hat ist definitiv nicht wenig: sich selber den Gitarrenbau beizubringen & nach 3 Jahren sein eigenes Kunstwerk in den Händen von Angus Stone auf einer Bühne live zu erleben, ist doch ziemlich beeindruckend. Ich freu mich auf jeden Fall darauf noch viele weitere La Réselle Gitarren, in den Händen von glücklichen Menschen & Musikern zu sehen und irgendwann hoffentlich auch selber einmal eine La Réselle Gitarre anzuspielen.

 

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