Nachhaltigkeit im IT Bereich – Prime Computer macht es vor

Nachhaltigkeit im IT Bereich – gib es das überhaupt? 

Während dem ich diese Zeilen auf meine MacBook von Apple tippe, realisiere ich einmal mehr, dass ich gerade im Bereich IT nicht so viel Ahnung davon habe, was da bezüglich dem Thema Nachhaltigkeit so läuft. In diesem Bereich besteht vor allem auch die absolute Notwendigkeit, dass ich mit Tools arbeiten kann, die meine Arbeit als Bloggerin zu 100% unterstützen. Die bekannte Nachhaltigkeits-Bloggerin Dariadaria hatte sich einmal öffentlich dazu geäussert, dass sie zwar gerne ein FairPhone hätte, dieses aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einen Entwicklungsstand vorzuweisen hat, der den extremem digitalen Ansprüchen eines Blogging-Lifestyles gerecht wird und ich muss ihr da ein Stück weit Recht geben. Aber, hier kommt ein grosses Aber, da scheint sich tatsächlich was zu tun und es bleibt zu hoffen, dass wir bald auf komplett nachhaltige Tools & Gadgets umsteigen können.

 

 

Prime geht mit gutem Beispiel voran! 

Eines dieser Beispiele, bei denen sich tatsächlich was tut ist PrimePrime Computer ist eine Schweizer IT Firma, die lüfterlose Desktop-PCs und Server in St. Gallen herstellt. Ihre Geräte verbrauchen sehr wenig Strom und sind recyclebar. Durch den kleinen Formfaktor werden auch weniger Ressourcen verbraucht als bei einem grossen herkömmlichen PC. Dabei legen sie grossen Wert darauf, dass möglichst viel der Wertschöpfung in der Schweiz passiert. Ihr Ziel ist es, einen bewussteren Umgang mit IT Geräten zu fördern und durch qualitativ hochwertige Produkte, das Thema Nachhaltigkeit wieder in den Fokus zu rücken. Ich hatte die Möglichkeit, Mario Tanner, Chief Sales Officer von Prime Computer ein paar Fragen zu stellen: 

Mario, wer bist du, was ist deine Position bei Prime Computer? Was sind deine persönlichen Beweggründe, für Prime Computer zu arbeiten?

Ich bin 32 Jahre alt, Familienvater und habe das Glück, bei Prime Computer als Chief Sales Officer (Verkaufsleitung) tätig zu sein. Bevor ich bei Prime Computer angefangen habe, arbeitete ich in grossen, internationalen Konzernen in der Software Branche. Ich konnte mich aber nach einiger Zeit nicht mehr mit den Softwarelösungen und Firmenpraktiken identifizieren und wollte bei einer Firma arbeiten, deren Werte ich teile und mit Überzeugung dahinter stehen kann. Als ich dann auf Prime Computer gestossen bin, hat mich der Ansatz von nachhaltiger und Ressourcen-schonender IT Herstellung sofort interessiert. Nach kurzer Recherche war klar;  das wird mein neuer Arbeitgeber.  

Was sind die Probleme mit Hinsicht zum Thema Nachhaltigkeit ganz allgemein in der IT Branche?

So hart wie es sich anhört Anina, ich glaube, das grösste Problem für Nachhaltigkeit in der IT Branche sind du, ich, wir alle. Durch unser Konsumverhalten, das uns zum grössten Teil immer nach den günstigsten Schnäppchen suchen lässt, sind wir die Katalysatoren für eine IT Branche deren Ziel es ist, immer mehr für weniger Geld zu produzieren. Durch dieses Verhalten sind Themen wie Nachhaltigkeit und Qualität immer weiter aus dem Fokus gerückt und spielen, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle in den Strategien der grossen IT Produzenten.

Ich merke selbst wie schwer es ist, mein Kaufverhalten weg von der «Geiz ist Geil» Doktrin zu einem nachhaltigeren und qualitätsbewussteren Verhalten auszurichten. Vermutlich können sich viele deiner Leser und Leserinnen mit dieser Schwierigkeit identifizieren. Auch wenn wir alle keine Heiligen sind und es wohl auch nie sein werden, ist es wichtig, sich von Zeit zu Zeit den Spiegel vorzuhalten und sich Gedanken zu Themen wie Nachhaltigkeit und Konsumverhalten zu machen.

Wieso ist der IT Bereich noch nicht weiter im Thema Nachhaltigkeit? Was sind die Herausforderungen? 

Als Mitglied der Fachgruppe Green IT Schweiz sind wir daran, mit anderen namhaften Unternehmen, Hochschulen und öffentlichen Institutionen, genau diese Fragen zu evaluieren. Wie bereits angedeutet, war das Thema Nachhaltigkeit in der IT nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit, was sich aber langsam zu ändern scheint. 

Eine grosse Herausforderung ist z.B. der Stromverbrauch. Nur alleine die Rechenzentren verbrauchen bereits 3% des gesamten Stroms in der Schweiz. Wenn man dann noch alle anderen IT Geräte dazu nimmt, kommt man auf einen stattlichen Stromverbrauch. 

Auch die Lebensdauer von Geräten ist ein Thema. Gerade die Wegwerfmentalität in unserer Gesellschaft trägt zu einem riesigen Ressourcenverbrauch bei. Da hilft es natürlich nicht, wenn PCs, Laptops und Handys nach gut zwei Jahren den Geist aufgeben. Wenn man dann noch erfährt, dass gewisse Hersteller die Lebensdauer von Geräten absichtlich verkürzen, wird einem schlagartig bewusst, wie viele Herausforderungen noch vor uns liegen.

Wieso rückt Prime Computer das Thema der Nachhaltigkeit in den Fokus seiner Geschäftstätigkeiten? 

Lass mich das mit einer Gegenfrage beantworten: Wie könnten wir das nicht tun? Ich hatte das Glück, längere Zeit in China zu leben und habe dabei aus erster Hand erfahren, wie die Produktionsverhältnisse für Fliessbandarbeiter der Elektronikbranche sind. Lass mich dir sagen, keiner von uns würde das für seine Mitmenschen und Freunde wollen. Von sozialen Faktoren abgesehen, sind auch die ökologischen Folgen der Raubbauproduktion in Ländern wie China & Co. verheerend. Wir von Prime Computer wollen diesen Entwicklungen entgegenwirken. Auch wenn wir wissen, dass wir als Firma und Mitarbeiter noch lange nicht so nachhaltig sind wie wir gerne möchten, sehen wir es als unsere Pflicht das Thema Nachhaltigkeit mit euch voranzutreiben.

Welche Produkte bietet Prime Computer an und was ist genau so nachhaltig daran?

Wir bieten lüfterlose Server und Desktop-PCs an. Die Geräte sind sehr stromsparend und robust. So braucht z.B. der Desktop-PC zwischen 5 und 30 Watt in Normalbetrieb. Das ist weniger als viele Glühbirnen verbrauchen. Durch das Aluminiumgehäuse und die lüfterlose Bauweise kann kein Schmutz in die Geräte eindringen. Das verlängert ihre Lebensdauer um ein vielfaches und die Geräte sind praktisch wartungsfrei. Das spart Ersatzteile und den Gang zum IT Fachhändler. Nach einem langen Leben recyceln wir die Rohstoffe von unseren Geräten und bringen diese wieder in den Produktkreislauf ein. 

 

Wie kann ich mich als Konsument absichern, dass ich ein „Gutes“ IT-Produkt kaufe? Gibt es zum Beispiel Labels? 

Es gibt Labels wie z.B. Energy Star oder der Blaue Engel. Produkte mit diesen Gütesiegel sind sicher keine schlechte Wahl. Am besten ist es aber immer noch, wenn man sich die Zeit nimmt selber Recherche zu betreiben und sich mit dem Thema bzw. dem Produkt auseinander setzt. 

 Ich persönlich glaube, dass die erste Frage beim Konsum immer «Brauche ich das wirklich» sein muss. Danach kommt, «für was brauche ich das» und «kann ich das mit gutem Gewissen kaufen». Wenn man diese Fragen in seinem Konsumverhalten berücksichtigt, hat man schon viel für Nachhaltigkeit getan.

  Ich persönlich glaube, dass die erste Frage beim Konsum immer «Brauche ich das wirklich» sein muss. Danach kommt, «für was brauche ich das» und «kann ich das mit gutem Gewissen kaufen». Wenn man diese Fragen in seinem Konsumverhalten berücksichtigt, hat man schon viel für Nachhaltigkeit getan. 

— Mario Tanner

In welche Richtung wird sich der IT Markt entwickeln? Können wir auf allgemein mehr Nachhaltigkeit hoffen? 

Ich hoffe schwer in Richtung Nachhaltigkeit! Im Moment stehen viele grosse Themen in der IT Welt an. Blockchain, Quantencomputing oder die viel diskutierte Digitalisierung dominieren das mediale, gesellschaftliche und politische Geschehen. Das soll aber nicht heissen, dass wir so leicht aufgeben. Wie bereits erwähnt, ist Nachhaltigkeit etwas, das bei jedem Einzelnen anfängt und jeder selber in der Hand hat. Bei jedem Einkauf, ob das nun IT, Lebensmittel oder ein Auto ist, haben wir die Chance uns für Nachhaltigkeit stark zu machen.  

Hoffnung macht auch, dass es immer mehr Verbände, Organisationen und Gesellschaften gibt, welche sich für Nachhaltigkeit in verschiedensten Bereichen einsetzen. Wichtig ist hier, dass man Geduld hat und sich nicht demotivieren lässt. Wer hätte denn vor 15 Jahren gedacht, dass vegetarische und vegane Ernährung ganze Kühlregale in der Migros einnehmen würde. 

Ist es ein Verbrechen zum Beispiel ein Apple Produkt zu nutzen bzw. worin unterscheidet sich ein solches Produkt zu einem von PrimeComputer?

Nein, es ist bestimmt kein Verbrechen ein Apple Produkt zu kaufen oder zu besitzen. Apple ist eine Firma und tut das was Firmen in Aktionärshand machen müssen, nämlich Profite erwirtschaften. Jeder hat die Aufgabe für sich zu definieren ob er die Art und Weise, wie diese Profite erwirtschaftet werden, unterstützen möchte. 

Apple ist ein Multimilliarden Konzern mit tausenden von Mitarbeitern und einem extensiven Produktportfolio. Prime Computer hingegen ist ein Unternehmen mit Sitz in St. Gallen und 11 Mitarbeitern, welches versucht, das Thema Nachhaltigkeit in der IT in die Köpfe der Menschen zu bringen. Du siehst, es ist noch ein wenig zu früh uns mit den Grossen zu messen. 

Gibt es DEN typischen Prime Computer Kunden?

DEN typischen Kunden von Prime Computer haben wir auch noch nicht getroffen. Das Spektrum an Prime Computer ist extrem vielfältig. Im privaten Anwendungsbereich haben wir Kunden, welche sich durch den Swissness-Faktor angezogen fühlen. Aber auch Kunden mit Tinnitus finden unsere geräuschlosen Geräte toll. Im Business Bereich ist es ähnlich heterogen. Vom Bäcker über den Schreiner zur Privatklinik haben wir alles im Kundenportfolio.

Was sind die kurz und langfristigen Ziele für Prime Computer mit Hinsicht auf Nachhaltigkeit?

Wir haben erst vor zwei Wochen mit einem NGO einen Vertrag unterschrieben indem wir uns verpflichtet haben 1000 Bäume pro Jahr zu pflanzen. Dies ist aber nur ein Tropfen auf den heissen Stein und wir wollen diese Art von Kooperationen weiter ausbauen. Wir haben auch eine Partnerschaft mit der Hochschule St. Gallen initiiert um verschiedene Nachhaltigkeitsthemen wie z.B. «Woher kommen unsere Rohstoffe» zu fokussieren. Es ist uns ein Anliegen genau zu wissen, dass unsere Rohstoffe nicht aus Konfliktregionen kommen und unter fairen Bedingungen hergestellt werden. Wir sind aber auch immer froh, wenn wir Anregungen und Inputs von unserem Umfeld erhalten. In diesem Sinne möchte ich deine Leser dazu aufrufen Ideen für eine nachhaltige IT mit uns zu teilen und würde mich über zahlreiche Nachrichten freuen.

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit Prime Computer.

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Comments

  • Virgie Aragon

    05/02/2018 at 22:05
    Reply

    Very informative! I never knew such a product exist. A […] Read MoreVery informative! I never knew such a product exist. A company that focuses on sustainability makes it more interesting. I do agree with Mr. Tanner that to be sustainable does start with us, the consumers. To have a sustainable society, I strongly believe educating is the key. Prime Computers is on the right track by involving itself with the community. And bloggers like yourself Anina, helps educate consumers like myself online. Maybe people will begin to think about it, at least with the exposure, it's a start. Read Less

    • Anina Mutter
      to Virgie Aragon

      07/02/2018 at 17:22
      Reply

      Dear Virgie, thank you so much for your interesting feedback. […] Read MoreDear Virgie, thank you so much for your interesting feedback. I really appreciate it that you share your thoughts with us. And yes, we do have a lot of power as consumers. So lets hope that soon, there will still be a lot more of demand for sustainable solutions. And as you say, exposure is a good start. Have a lovely day, Anina Read Less

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