Wunderwelt Wein.

Wie ich zur Weinforscherin wurde.

Alkohol? Nein danke!

Zu Alkohol habe ich persönlich eine tendenziell zwiespältige Einstellung. Und, er schmeckt mir auch nicht wirklich. Dementsprechend konsumiere ich wenig, bis gar keine, alkoholischen Getränke. Doch, ich kann es trotzdem lustig haben an Partys. Und ja, ich fahre meine alkoholisierten Freunde sicher nach Hause. Und nein, ich verurteile niemanden für seinen Alkoholkonsum. Und, ich rieche an Wein. Und, ich nehme auch ein paar Schlucke. Und, ich bin aus Versehen Weinforscherin geworden. Vielleicht sogar Liebhaberin.

Wie alles begann

Für lange Zeit war Wein ganz einfach Wein für mich. Falls ich tatsächlich einmal eine Flasche aussuchen musste, liess ich mich vom Preis, vom Etikett oder von Kollegen beraten. Und meist war ich vom zögerlich getesteten Geschmack nicht sonderlich überzeugt. Wein schmeckte mir nicht und mein Interesse war dementsprechend gering. Vielleicht begegnete ich jeweils auch einer gewissen Hemmschwelle, weil ich nicht mitreden konnte? Weil ich, ehrlich gesagt, nicht einmal sicher wusste, wie ich ein Weinglas korrekt halten muss, geschweige denn, wie man Wein elegant einschenkt. Und dann, eher unfreiwillig, fand ich mich in einem französisch geprägten Umfeld wieder. Herkunft Bordeaux, um genau zu sein.

Ein Entrinnen stand ausser Frage, also setzte ich zur Attacke an und setzte mir zum Ziel, die Faszination am Wein zu teilen. Et voilà. Nach mehreren Reisen nach Bordeaux, der zweimaligen Befahrung der „Route du Vin“ entlang der Gironde (crazy, da liegt ein Weingut neben dem Anderen), einer exklusiven Weinführung im Schloss Lynch-Bages, nach langen Wanderungen durch verschiedenste Weinabteilungen, nach dem Probieren diverser Weine (von wahnsinnig teuer bis erschreckend billig) und vielen, vielen dazugehörigen Geschichten, da muss ich sagen: okay, ich habs verstanden!

Wein ist nicht einfach Wein. / Bild: Nicole Rötheli
Wein ist nicht einfach Wein. / Bild: Nicole Rötheli

Die Sache mit dem Wein

Wein ist nicht einfach Wein. Wein ist nicht einfach eine rote Flüssigkeit, die dich, wenn du zu viel davon trinkst, betrunken macht. Wein ist viel mehr.

Wein macht dich zum Forscher und Entdecker.

Jeder Wein schmeckt anders. Hinter jeder Flasche steckt ein unglaublich aufwändiger Arbeitsprozess, der in sich schon eine Art Kunsthandwerk ist. Zu fast jeder Flasche gibt es eine Geschichte. Jede Traube schmeckt anders. Jede Kombination verschiedener Trauben ist einzigartig. Gewisse Weine sind gemacht um lange gelagert zu werden, andere sollen schnell getrunken werden. Langsam entdecke ich, was mir schmeckt. Ich fange an Wörter und Beschreibungen für verschiedene Geschmackserlebnisse zu finden. Ich erkenne grosse Namen wie Château Petrus oder Mouton-Rothschild. Ich staune über das Preis-Leistungsverhältnis eines preiswerten, aber verblüffend guten Weines. Ich lerne die Namen von verschiedenen Trauben: Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, etc. Ich erkenne die Etikette eines Weinguts, das ich in Frankreich mit eigenen Augen gesehen habe. Ich vergleiche Bioweine mit normalen Weinen. Und, ohne es zu merken bin ich zur Weinforscherin geworden. Oder sogar Wein-Liebhaberin?

Was ich auf siroop gefunden habe. / Bild: Nicole Rötheli
Was ich auf siroop gefunden habe. / Bild: Nicole Rötheli

siroop und Wein

Mein Durst nach mehr Wissen (und Wein) macht auch vor siroop keinen Halt. Neugierig durchforste ich die diversen Angebote. Mein Ziel? Ich möchte mehr über Wein lernen und einen lokalen Wein testen. Kurze Zeit später halte ich eine Flasche „Stäfner Pinot Noir Cuvée Spéciale“ und ein neues Buch „Grundkurs Wein – Alles was man über Wein wissen sollte“von Jens Priewe in der Hand. Dieses Buch „ist in erster Linie für Menschen geschrieben, die einen Einstieg in das Thema Wein suchen, ohne genau zu wissen, wo sie anfangen sollen“. Das Buch ist aber auch für Weintrinker interessant, die schon wissen, wie Wein entsteht, wie er gelagert wird und was die Besonderheiten einzelner Weine und Weinbauländer sind.“ Mein Wissensstand befindet sich da irgendwo zwischendrin. Und, ich werde nicht enttäuscht. Priewe deckt alle wichtigen Themengebiet ab, um eine solide Wissensbasis zu schaffen. Vom ersten Kontakt mit Wein (Etikett, Preis, Herkunft, etc.), dem Allgemeinwissen (das man braucht, um mitreden zu können), bis zur Rebenkunde (Rebsorten, Anatomie der Traube, Weinberg,etc) und der Sensorik des Weins, deckt das Buch so ziemlich alle wichtigen Gebiete ab. Es ist in einer einfachen und verständlichen Sprache geschrieben und ermöglicht, untermalt mit tollen Bildern, einen angenehmen Einstieg in die Welt des Weins.

“Bevor er wissenschaftlich in seine Bestandteile zerlegt wurde, war der Wein ein Gott. Er nährte die Menschen. Er heilte sie.”

“Er tröstete. Er versetzte sie in einen Rausch. Und wenn es guter Wein war, befriedigte er ihre Sinne aufs Angenehmste. Viel von dem lässt sich noch heute von ihm sagen, vor allem was den Genuss angeht.” Jens Priewe

 

Die wunderschönen Rebstöcke vom Rütihof. / Bild: Calvin Mattes
Die wunderschönen Rebstöcke vom Rütihof. / Bild: Calvin Mattes

Lokal & Regional

Nachdem ich nun eine Flasche „Stäfner Pinot Noir Cuvée Spéciale“ getestet hatte, deren Trauben nicht viel mehr als 30km entfernt von mir gewachsen sind, beschliesse ich, ihren Ursprungsort, in Uerikon, zu besuchen.

Es ist ein grauer und verregneter Herbst-Samstag, nichtsdestotrotz kurven wir der Goldküste entlang, den Zürichsee immer im Blick. Ziel: Das Weingut Rütihof. Inmitten des Dorfes erhaschen wir bereits erste Blicke auf wunderschön gelb-gefärbte Rebhänge. Ich bin erstaunt. Da scheint wirklich, in nächster Nähe zu Zürich, lokaler Wein produziert zu werden. Hättest du das gedacht? Ich irgendwie nicht so richtig. Nach einer letzten Kurve haben wir auch bereits einen wunderbar in die Jahre gekommenen Stall, auf dessen Dach „Rütihof“ prangt und einen imposanten Rebhang direkt vor uns. Monica, die in der fünften Generation den elterlichen Hof führt, wartet bereits auf uns.

Sofort nimmt sie uns in die verschiedenen Keller-Räumlichkeiten ihres Weinguts mit und erzählt uns dabei mehr über die doch nicht ganz alltägliche Arbeit als Winzerin in der Region Zürich. Ich lerne, dass das milde Klima der Rebberge in Stäfa am Zürichsee sehr förderlich ist für Charakterweine. Das Weingut Rütihof hat es sich zum Ziel gemacht, ehrliche und eigenständige Weine zu kreieren. Das Terroir am Zürichsee begünstigt einen eleganten Weincharakter. Monica nennt uns dazu die klassischen Sorten Räuschling, Riesling-Sylvaner und Pinot Noir / Blauburgunder. Sie versuchen sich aber auch an selteneren Sorten und an Neuzüchtungen. Und, ihre Mühe wird belohnt, nicht nur durch treue Kunden wie Vinotheken, Restaurants und Hotels, sondern auch durch gewonnene Preise, die die harte Arbeit in den Weinbergen anerkennen. Wieder am Tageslicht, wandern wir weiter zu den hauseigenen Rebbergen. Monica erklärt, dass der Weinbau auf dem Rütihof Handarbeit ist. Irgendwie verständlich, wenn man die unglaublich steilen Hänge betrachtet, auf denen, in Reih und Glied, die Rebstöcke wachsen. Unübersehbar ist aber auch die grosse Herausforderung, aus diesem doch eher kleinen und unwegsamen Gebiet einen rentablen Profit zu schlagen.

Der Weinmarkt ist hart umkämpft!

Da ist es nicht ganz einfach, sich als kleines Weingut zu behaupten. Ich bin aber irgendwie fast ein bisschen euphorisch. Was ich hier auf dem Weingut Rütihof erlebe, ist, unter anderem, genau das, was meine neugefundene Begeisterung für Wein ausmacht. Denn, das nächste Mal, wenn ich eine Flasche Wein vom Rütihof öffne, dann kann ich mir genau vorstellen, welche Aussicht die Rebstöcke genossen haben, wer die Trauben sorgfältig gepflückt hat und daraus, mit viel Leidenschaft und Liebe, eine fertige Flasche Wein gezaubert hat. Und, zu einer solchen Flasche kann nun auch ich eine Geschichte erzählen. Als hätte sie meine Gedanken erraten, drückt mir Monica zum Abschied zwei Flaschen Wein in die Hand: Einen „Tardif – Pinot Noir Barrique“ und einen „R3 – Räuschling“.

Kaum zu Hause kann ich nicht wiederstehen und öffne den R3. Ich bin normalerweise kein grosser Fan von weissen Weinen, aber, diese Flasche hat mich von Anfang an überzeugt. Seit jeher gilt der Räuschling als die Rebe vom Zürichsee. Als Seewein wurde er Teil der kulturellen Identität des Zürichseegebiets. Der R3 ist eine Hommage an das Weinbaugebiet Zürichsee – 3 Winzer (eine davon ist Monica) haben diese Flasche zusammen kreiert. Der Wein schmeckt hervorragend – mit einer frischen Zitrusaromatik und einer mineralischen Säure. I like! Und was ich am Meisten mag: er ist „vo näbedra“. Noch auf der Suche nach einem schönen und sinnvollen Weihnachtsgruss? There you go!

 

Wein ist Geschichte. / Bild: Calvin Mattes
Wein ist Geschichte. / Bild: Calvin Mattes

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit siroop.ch.

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