Reda ist Consultant für Kommunikation, freier Journalist und Blogger. Er verdient also sein Geld durch Publizistik im freien Markt. Ich folge ihm persönlich seit geraumer Zeit auf Facebook und schätze seine spannenden, oft provokativen Texte, Anmerkungen und Kommentare sehr. Gerade im Bereich Politik orientiere ich mich sehr oft an seiner Haltung.

Den Schweizern ihr eigenes Fernsehen und Radio wegnehmen , um dann die Lizenzen an den Meistbietenden zu verhökern? Ohne mich. Information ist in einer Demokratie keine einfache Handelsware und sollte nicht nur von wirtschaftlichen Interessen und politischen Playern kontrolliert werden. 

— Reda El Arbi

Wofür bezahlen wir eigentlich die Billag?

FVM: Für ein unabhängiges, von allen Bürgern kontrolliertes Radio und Fernsehen – eines in dem nicht Einzelpersonen und Marktkräfte über den Inhalt bestimmen.

REA: Wir bezahlen Billag, um den in der Verfassung festgeschriebenen Service public zu ermöglichen. Damit wird der Schweizer Bevölkerung Zugang zu Information, Kultur, Bildung und Unterhaltung gewährleistet. In der Schweiz ist dies speziell, da die Versorgung mit neutraler Information in vier Landessprachen gewährleistet sein muss. Dieser Auftrag wird von der SRG und rund 35 weiteren, privaten Sendern geleistet. Ohne Billag stehen diese Sender und die SRG vor dem Aus.

Information und Kultur sind keine reinen Handelsgüter, sie sind wichtig für den Bestand der direkten Demokratie und für den Zusammenhalt des Landes. Wir können diese Werte nicht nur privaten, politischen oder wirtschaftlichen Interessen überlassen. Sonst haben wir Berlusconi-Verhältnisse.

Worum geht es eigentlich in der No-Billag-Initiative? 

FVM: Um die totale Abschaffung des öffentlich rechtlichen Radios und Fernsehens – ohne Plan B.

REA: Die No Billag will den in der Verfassung festgeschriebenen Auftrag des Service public verbieten. Alle dahingehenden Artikel werden gestrichen und eine Finanzierung explizit verboten.

Was ist eure Haltung zur No-Billag-Initiative?

FVM: Aus staatsbürgerlichen Gründen überzeugt dagegen.

REA: Ich lehne sie ab. Vehement.

Warum soll ich NEIN stimmen? 

FVM: Weil wir nicht Berlusconi-TV oder Fox-News ähnliche Zustände in der Schweiz haben wollen – und weil mir die 4-Sprachigkeit und der Zusammenhalt unseres Landes am Herzen liegt. Und weil ich es für unverantwortlich halte, auf einen Schlag über 10’000 Arbeitsplätze zu vernichten. Und weil ich ein Herz habe für Inhalte, welche nicht per se gewinnbringend sein müssen und sollten. Kultur halt.

REA: Es gibt zwei Gründe, einen praktischen und einen demokratischen:
Nein, weil man mit No Billag die Medienlandschaft kahl schlägt. Hundert von Sendungsformaten würden verschwinden. Weniger Wahlfreiheit.
Nein, weil wir ein solidarisches Land sind. Selbst wenn ich kaum, SRG-Produkte konsumiere, will ich, dass in jeder Region und für viele Minderheiten ein unabhängiges Medienformat zugänglich ist. Das ist in einem Land, in dem wir bis zu 4 Mal jährlich abstimmen von immenser Bedeutung.

Was wäre, wenn die Billag tatsächlich abgeschafft werden würde? 

FVM: Die Befürworter von No Billag reden vom freien Markt, der alles regeln wird. Ich glaube das stimmt nicht einmal, wenn es diesen freien Markt überhaupt geben würde. Die Schweiz ist zu klein, um ein einigermassen intelligentes Fernsehen nur über den Markt zu finanzieren – das gilt insbesondere für die Westschweiz und das Tessin, aber auch für die Deutschschweiz. No Billag würde die Schweizer Medienlandschaft in die falsche Richtung umpflügen. Qualitätssendungen und insbesondere Spiel- und Dokumentarfilme unfinanzierbar machen und der Schweiz damit ihre audiovisuelle Existenz und Sichtbarkeit zerstören. Zudem ist die Gefahr gross, dass die neuen privaten Sender in Deutscher oder anderer ausländischer Hand enden würden. Das ist für eine lokale, vertiefte Berichterstattung fatal.

REA: Wir hätten nur noch Mainstream-Medien, meist deutsche Sender wie RTL oder Pro7, die nur noch Inhalte bringen würden, die durch Werbung finanziert werden könnten. Nur diese Player und ein paar private Milliardäre haben das nötige Geld, um in die Lücke zu springen. Die Qualität einer SRG könnten sie aber nicht halten.

Die Initianten hatten von Anfang an die Abschaffung des Service public, genauer der SRG, im Sinn. Im Laufe des Abstimmungskampfes merkten sie, dass die SRG bei der Bevölkerung doch noch sehr viel Vertrauen geniesst. Also versuchten sie mit verschiedenen Versionen eines Plan Bs, die Wirkung abzuschwächen. Aber diese Alternativen sind allesamt entweder Lügen oder aber von Leuten entworfen, die nicht den geringsten Schimmer vom Mediengeschäft haben. Unbrauchbar.

Also: Eine Annahme der No Billag würde die SRG und 35 Sender vernichten und damit die Demokratie und die Meinungsvielfalt, den nationalen Zusammenhalt und Kultur in der Schweiz empfindlich schwächen.

Könnte es denn so weitergehen wie bisher? Würde es so weitergehen wie bisher? Was müsste sich ändern?

FVM: Die Diskussion, die die No Billag ausgelöst hat, halte ich für wichtig und begrüssenswert – die SRG darf, muss und soll sich verändern. Durch eine Abschaffung (und es wäre die totale Abschaffung) ist dies nicht mehr möglich.

REA: Die SRG muss sich sicher auch nach einer Ablehnung der No Billag erneuern. Sie ist zu schwer und zu unflexibel geworden. In der Verwaltung gleicht sie eher einem Dinosourier als einem modernen Medienunternehmen. Auf der redaktionellen Ebene arbeitet sie aber hervorragend.

Wer wäre am meisten betroffen von einer Annahme? Müssen sich nur Schauspieler und Angestellte Sorgen machen, die Jobs haben, die direkt in Verbindung mit der Billag stehen? 

FVM: Über 10’000 Jobs gingen direkt und indirekt ersatzlos verloren. Die Frage ob das Sorgen bereitet, sollte man den Befürwortern stellen.

REA: Nein, auch private Filmfirmen, Zulieferer, Kostumschneider, Theater, Lokalradios, Lokalfernsehen und viele mehr wären direkt betroffen. Indirekt würde es aber auch die Filmschulen, die Schauspielschulen, den Kulturstandort Schweiz oder die Filmfestivals treffen.

Wie konnte es überhaupt so weit kommen? 

FVM: Einerseits ist die digitale Revolution mit verantwortlich, dass sich im Medienmarkt die Verhältnisse neu ordnen. Andererseits schüren gewisse Parteien seit Jahren gezielt einen Staatshass und libertäre junge Männer fühlen sich befugt, jegliche kollektive Verantwortlichkeit wenn möglich zu torpedieren. Aus dieser Ecke kommt die Initiative.

REA: Es ist nie angenehm, wenn man 450 Franken zahlen muss. Bei der Billag-Gebühr ist es schmerzhaft, weil man Geld ausgibt, ohne direkt ein Produkt einpacken zu können. So haben viele Schweizer vergessen, was sie mit diesem Geld bezahlen. Das haben die Initianten ausgenutzt und so den Unmut angefacht. Erst im Laufe des Abstimmungskampfes wurde den Schweizern wieder bewusst, was für eine Leistung sie für dieses Geld bekommen.

Wie könnte man für noch mehr Vielfalt in der Schweizer Medienlandschaft sorgen? Bzw. müssen wir das überhaupt?

FVM: Wir können zur Zeit versuchen, diese Vielfalt zu erhalten und sie da zu verteidigen, wo die Machtkonzentration zu gross wird.
REA: Die Bereitschaft, wieder für Information, Kultur und Bildung zu bezahlen. Man kann nicht nach Medienvielfalt und Qualität schreien, aber nichts dafür ausgeben wollen und nur Gratiscontent aus dem Netz konsumieren. Medien kosten Geld. Qualität und Information kosten Geld.


 Quelle Zitat von Reda El Arbi: www.nonobillag.ch / Dieser Beitrag entstand aus Eigeninitiative.