Fair Fashion Diskussion mit LolaIFred

Mit kleinen Veränderungen Grosses bewirken.

„Berührt und tendenziell überwältigt“ beschreibt wohl am besten, was ich nach unserem Fair Fashion Event am vergangenen Donnerstagabend empfunden habe, als ich müde aber voller Glück und Zuversicht im Bus nach Hause sass. Eigentlich war die Idee ziemlich einfach: vier Filmausschnitte von „The True Cost“ (einem Film über Fair Fashion), ein unwiderstehliches Catering vom veganen Restaurant „roots“, die beiden Köpfe des Fair-Fashion Labels „Lola Fred“, Karolina von der Fashion Revolution Week, und … eine Gruppe von interessierten, und diskussionswilligen Menschen. Mein Ziel: den Dialog zum Thema „Nachhaltigkeit in der Modeindustrie“ fördern und gemeinsam einen gemütlichen, informellen und vor allem inspirierenden Abend zu verbringen.

Die Mode Industrie heute …

… ist mehr als problematisch. Denn, mittlerweile hat das weltweite Geschäft mit Kleidungsstücken ein Ausmass angenommen, das unseren Planeten früher oder später (oder eigentlich bereits jetzt) in grosse Schwierigkeiten bringen wird. Massenproduktion, Konsumenten, die zu unersättlichen Käufern erzogen worden sind, horrende Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern, verheerende Verschmutzung von Gewässern und Land – ein Teufelskreis, der einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt – sobald die Tragweite des momentanen Zustandes im Bewusstsein angekommen ist. Als zweitgrösste Industrie, nach Erdöl, hat dieses Monster von Geschäft einen beträchtlichen Einfluss auf uns alle. Auf mich. Und auch auf dich. Irgendwie haben wir auch in Hinsicht auf unseren Modekonsum das Gefühl für ein gesundes Verhältnis verloren.

Wir sind uns gewohnt, schnell, viel und vor allem möglichst billig zu konsumieren; dass das auf Kosten anderer Menschen Leben ist, lässt sich viel zu leicht ausblenden.

Auch von mir. Zudem ist es noch nicht ganz einfach, diesbezüglich gegen den Strom zu schwimmen, sich von den grossen Moderiesen abzuwenden und ab sofort nur noch faire Mode oder Secondhand zu kaufen. Aber, es entstehen laufend neue Alternativen, die Hoffnung schaffen, dass es auch anders geht.

Ein informeller und inspirierender Abend
Ein informeller und inspirierender Abend

Lola Fred…

… ist eine dieser nachhaltigen Alternativen. Gegründet von zwei Schweizer Powerfrauen, die sich mit der konventionellen Bekleidungsindustrie irgendwann nicht mehr identifizieren konnten und deswegen ihr eigenes Ding gestartet haben. Slow Fashion – langsame und nachhaltige Produktion von Kleidungsstücken, die nicht nur dem Träger Gutes tun, sondern auch denen, die die Kleider produzieren und die Umwelt nicht negativ belasten. Eine Mentalität, die auf Qualität, statt Quantität setzt und sich im allgemeinen Kollektionen-Stress (kommerzielle Geschäfte kommen auf bis zu sagenhafte 52 Kollektionen im Jahr) auf wohldurchdachte, zeitlose Entwürfe konzentriert – zweimal im Jahr. Lola Fred produzieren in Europa (Portugal) und besuchen ihre Produktionsstätten regelmässig, um sicherzustellen, dass ihre Kleider fair und nachhaltig produziert werden. Zudem arbeiten sie mit Stoffen, die entweder wiederverwertet oder biologisch abgebaut werden können, wie zum Beispiel Modal (eine Zellulosefaser, die aus Buchenholz gewonnen wird), Bio-Baumwolle, Bambus, Lyocell (Zellulose aus Baumfasern) und Stoffe aus recyclierten PET-Flaschen. Sie verzichten auf lange Transportwege und arbeiten wo immer möglich mit lokalen Produzenten. Dieser Weg ist nicht einfach. Oft müssen sie kreative Lösungen finden und manchmal sind ihnen die Hände gebunden, weil gewisse Faktoren wie Stoffe, Methoden, etc. schlichtweg noch nicht als nachhaltige Versionen erhältlich sind. In diesen Situationen bleiben die beiden Frauen ihrer Linie aber treu und verzichten lieber auf ein neues Jackenmodell, als dass sie ihre Vorsätze bezüglich der Nachhaltigkeit ihres Labels vernachlässigen würden. Zu guter Letzt lässt sich die Ladenräumlichkeit von Lola Fred auch in ein Yoga Studio verwandeln und offeriert, mitten im Herzen von Zürich, ein breites Angebot verschiedenster Lektionen. Yoga und faire Mode. Das passt wie die Faust aufs (dritte) Auge.

Das Thema Fair Fashion sorgt für Gesprächsstoff

Am vergangenen Donnerstagabend …

… trafen wir uns dann genau da, im Laden aka Yoga Studio von Lola Fred. Die angenehme Atmosphäre des Raumes tauchte jeden Eintretenden bereits in eine Art Zen-Zustand und so begrüssten wir all die vielen neugierigen Gesichter, die sich dazu entschlossen hatten, ihren Abend mit uns zu verbringen, freudig. Mit feinen roots-Säften und veganen Häppchen ausgerüstet stürzten wir uns direkt in einen spannenden Abend. Mit Susanne und Jasmin von Lola Fred hatten wir zwei erfahrene Expertinnen vor Ort, die unseren Fragen und Gedanken kompetent Rede und Antwort stehen konnten. Mit ihrer Auffassung von Slow Fashion gaben sie uns Einiges mit auf den Weg, aber ohne belehrend oder besserwisserisch zu wirken. Im Gegenteil.

Mit einem so grossen und komplexen Thema wie dem der fairen Mode, ist es beinahe unmöglich, von heute auf Morgen alles perfekt zu machen.

Man sollte auch nicht so streng mit sich selber sein – lieber Schritt für Schritt antasten. Auf kleine Dinge wie Produktionsland, Material, Preisverhältnis achten und sich kontinuierlich verbessern. Vielleicht sind deine nächsten Yogahosen aus nachhaltiger Produktion? Oder du kaufst dir einen Pullover in der Brocki nebenan? Oder du vertiefst dein Wissen über nachhaltige Mode? Alles ist gut. Solange es nicht nichts ist. Veränderungen brauchen bekanntlich Zeit. Aber, sie finden auch nur statt, wenn sich etwas bewegt. Zum Beispiel du.

Es geht nicht darum, sein Verhalten von heute auf morgen komplett zu ändern
Es geht nicht darum, sein Verhalten von heute auf morgen komplett zu ändern

Fashion Revolution Day

Apropos: Bewegen könntest du dich am 29. April 2017 – in die Photobastei Zürich, für den Fashion Revolution Day. Seit dem katastrophalen „Rana Plaza“ Fabrikunfall in Indien, der weltweit Schlagzeilen machte und tausende Menschenleben gekostet hat, findet jedes Jahr im April, auf der ganzen Welt, die Fashion Revolution Week statt. In diesen Tagen geht es darum zu zeigen, dass es eine Modeindustrie geben kann, die Menschen, Umwelt und Kreativität gleichermassen wertschätzt und dass jeder einzelne etwas beitragen kann. Der Fashion Revolution Day in Zürich zeigt Alternativen auf und regt zur Diskussion an. Zudem wartet der Event mit einem Fair Fashion Markt, einem Food Corner, spannenden Workshops, einer Podiumsdiskussion und einer Art Installation auf. Also – THE place to be. Nicht nur für mich, sondern auch für dich. Horizonterweiterung inklusive. Pinky promise!

Und in der Zwischenzeit …

… bin ich irgendwie ziemlich zuversichtlich. Und vor allem dankbar, für die Menschen, die wach sind, die mitdenken und handeln. Jede und jeder einzelne, der am Donnerstagabend vorbeigekommen ist, jede und jeder der versucht Teil einer Bewegung zu sein, die unseren Planeten und unsere Mitmenschen respektiert, ist mein/e persönliche/r Held/in. Und natürlich werde ich siroop weiterhin nach spannenden, lokalen, nachhaltigen und inspirierenden Produkten für euch durchforsten und natürlich werde ich euch weiterhin auf dem Weg meiner Horizonterweiterung mitnehmen und meine Erkenntnisse und Fragen mit euch teilen. Du hast Ideen? Du hast Vorschläge? Du hast Fragen? Du hast Tipps? Bitte unbedingt mit mir teilen! Facebook: www.facebook.com/aninamutter, Instagram: www.instagram.com/aninamutter, Mail: hello@aninamutter.com

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit siroop.ch entstanden.

 

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