Bei Stylistin Tanja Stöcklin trifft Ethik auf Ästhetik

Fashion-Stylistin: Version nachhaltig.

Tanja Stöcklin ist Gründerin von EMA und nachhaltige Fashion-Stylistin. Sie hat mich nicht nur bereits in punkto Outfit für die Opening Night des Zürich Film Festivals gerettet, sondern inspiriert mich auch in vielen anderen Bereichen sehr. Ich bewundere ihr Wissen in Sachen Styling und wie genau sie eine Person einschätzen kann, um danach eine kompetente und ungemein hilfreiche Beratung bezüglich Garderobe zu liefern. Dass sie dies alles aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit tut finde ich genial:

Tanja hilft bei ihren Stilberatungen den Kunden, das meiste aus dem rauszuholen was sie bereits besitzen. Sie glaubt, dass das nachhaltigste Outfit jenes ist, das man bereits besitzt. Neue Kombinationsmöglichkeiten, kleine Umänderungen und andere Tipps und Tricks führen oft zu einer kompletten Auffrischung der Garderobe ohne Neues einzukaufen. Ausserdem liegt es ihr am Herzen den Kunden zu zeigen wie sie zukünftig Fehlkäufe vermeiden können. Das Ziel ist es langfristig zu denken beim Einkaufen: Stil anstatt Trend, Qualität statt Quantität. 

Tanja hat mich bereits mehrmals nicht nur stilsicher beraten, sondern mir auch dabei geholfen, Outfits zu finden, die nicht nur meinen Werten entsprechen, sondern auch meine Persönlichkeit unterstreichen. Das Gefühl in einem stimmigen und gleichzeitig nachhaltigen Outfit unterwegs zu sein ist unbezahlbar! Ich habe Tanja ein paar Fragen gestellt, um mehr über ihre Ideen, Angebote und Ziele zu erfahren:

Tanja, wer bist du? Woher kommst du? 

Mein Herz gehört der Natur, meiner Familie und den Tieren. Ihnen gilt mein Interesse seit ich denken kann – vom Blättersammeln über Tiere füttern – vom Eichhörnchen über Grashüpfer bis zum Haustier (aktuell ist das Judy, ein Hundewelpe, der mir Herz und Verstand klaut, aber auch viel Zeit :)).

Mode und Ästhetik sind so was wie meine Heimat. Wenn ich mich damit umgebe, fühle ich mich wohl. Da kann ich mich ausleben. Geboren bin ich in Zürich, mein Englandaufenthalt von 4 Jahren haben aber meine Leidenschaft für Mode wie auch meinen Humor stark beeinflusst.

Direkt nach der Schule habe ich mich in der Welt der Mode eingenistet. Von Styling, Blogging, Verkaufsleitung, Visual Merchandising über Fashion-Shows habe ich verschiedene Bereiche kennengelernt und die unterschiedlichsten Erfahrungen gesammelt. Nach vielen Jahren in der Welt der “Fast Fashion” habe ich den Entschluss gefasst, mich der nachhaltigen Mode zu widmen, damit ich auch voll und ganz für das einstehen kann, was ich mache. Und so lebe ich gerade, was mein Herz berührt: Umwelt und Mode im Einklang.

Du bist Stylistin? Styleberaterin? Oder wie nennt man das genau? 

Wenn ich einen Jobtitel definieren soll, dann lautet der momentan wohl “nachhaltige Stylistin” – das beinhaltet Personal Styling, Fotoshoot-Styling, aber auch Visual Merchandising und vieles mehr. Ich und meine Arbeit sind aber immer im Wandel, man soll ja flexibel bleiben; die Verknüpfung von Ästhetik und Ethik sind bei mir aber der Kern des Ganzen und stehen bei all meinen Arbeiten im Fokus.

Was machst du bei diesem Job? 

Ich arbeite hauptsächlich mit privaten Kunden, die Interesse an einem nachhaltigeren Umgang mit Mode haben. Das Ziel ist es dem Kunden zu zeigen, dass grüne Mode nicht langweilig sein muss und wie man schon mit ein paar kleinen Veränderungen einiges zu einem umweltfreundlicheren Modestil beitragen kann. Da ich viele Jahre als Verkaufs- und Visual Merchandising-Leiterin gearbeitet habe, möchte ich auch mit Unternehmen zusammen arbeiten, die eine nachhaltige Verkaufsphilosophie anstreben.

Du interessierst dich zunehmend für Nachhaltigkeit – wieso? 

Ein respektvoller Umgang mit Tier & Natur war schon immer eine meiner Grundeinstellungen im Leben – das wurde mir von klein auf so beigebracht. 2010 hatte ich die Chance als Stylistin und Produzentin für Brighton Fashion Week (die erste nachhaltige Modeshow in Europa) einzusteigen. Das war einer der grössten “Aha-Momente” für mich auf welchen noch viele mehr folgten. Seit dann setzte ich mich mit dem Thema auseinander, aber erst Ende 2017 habe ich dann den beruflichen Schritt in eine nachhaltigere Richtung gewagt.

Das Thema Nachhaltigkeit ist seit geraumer Zeit ein Buzzword und viele Menschen achten unterdessen darauf aktiv einen Beitrag zu einem umweltfreundlicheren Lebensstil zu  leisten. Wir vermeiden Plastikröhrli, nutzen wiederverwendbare Trinkflaschen, nehmen die Stofftasche anstatt den Plastiksack, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

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Vielen Leuten ist jedoch nicht bewusst, dass die Mode- nach der Öl-Industrie, sozial wie auch ökologisch, als die dreckigste Industrie der Welt gilt. In den vergangenen 15 Jahren hat sich der Modekonsum mehr als verdoppelt – und mit ihm der Müll und die Umweltverschmutzung. Wasserverschmutzung, Pestizide, Kinderarbeit, unfaire Löhne und gefährliche Arbeitsbedingungen sind nur wenige von den Problemen, die die konventionelle Modeindustrie mit sich bringt. Pro Jahr werden unglaubliche 150 Milliarden Kleidungsstücke produziert, viele davon werden nie oder sehr selten getragen bevor sie wieder im Mülleimer landen.

Alleine in der Schweiz werden pro Jahr 40 000 Tonnen Kleider und Schuhe an die Altkleider Stiftung gespendet – was viele nicht wissen: da sich ein Grossteil der Modeartikel nicht weiterverwenden lassen, landen weltweit ca. 80% von allen Kleidern trotz gut gemeiner Spende in einer Entsorgungsdeponie. Diese enden in ärmeren Ländern wo sie in sogenannten “Landfills” vergraben werden und dort das Grundwasser und den Boden verseuchen.

Was wir zudem oft vergessen: Fast Fashion ist nicht günstiger – der Preis ist zwar tief für die Endkonsumenten, aber dafür bezahlen die Umwelt und die Menschen in den Herstellungsländern oft einen unverhältnismässig hohen Preis.

Wie versuchst du nachhaltige Werte in deine Arbeit zu integrieren? 

Einen nachhaltigeren Umgang mit Bekleidung steht als Kernphilosophie von EMA. In allen Bereichen in denen ich arbeite versuche ich dies stets im Fokus zu behalten. Es geht dabei nicht um generellen Verzicht, sondern um bewussten Konsum. Ganz so, wie es heute beim Thema Fleisch schon viele halten. Der Vergleich mit der Lebensmittelbranche ist hier naheliegend. Die ehemalige “Geiz-ist-Geil”-Einstellung brachte XXL-Lebensmittel und All-you-can-eat-Buffets auf einen Höchststand, unterdessen gibts aber Bioäpfel in jedem Discounter. Dieses Umdenken sollte auch bei Kleidung stattfinden.

Konkret heisst das, dass ich bei Stilberatungen den Kunden helfe das meiste aus dem rauszuholen was sie bereits besitzen. Ich glaube nämlich, dass das nachhaltigste Outfit jenes ist, das du bereits besitzt. Neue Kombinationsmöglichkeiten, kleine Umänderungen und andere Tipps und Tricks führen oft zu einer kompletten Auffrischung der Garderobe ohne Neues einzukaufen. Ausserdem liegt es mir am Herzen den Kunden zu zeigen wie sie zukünftig Fehlkäufe vermeiden können . Das Ziel ist es langfristig zu denken beim Einkaufen: Stil anstatt Trend, Qualität statt Quantität.

Du hast für lange Zeit bei Zara gearbeitet – wie hast du dieses Unternehmen erlebt? 

Während meiner Zeit bei Zara habe ich viele verschiedene Bereiche kennengelernt und einige Entwicklungsschritte des Unternehmens beobachten können.

Als ich bei Zara angefangen habe war Nachhaltigkeit noch kaum ein Thema. Dank dem Druck der Konsumenten wird unterdessen aber in vielen verschiedenen Bereichen der Firma nach Optimierungen gesucht. Von stromsparenden Storekonzepten, nachhaltigen Modelinien (Join Life), Rücknahme von getragenen Kleidungsstücken zum Recycling, über Versprechen ab 2020 keine Kleidung mehr in Landfills zu senden, hat Zara bereits viele Schritte unternommen um ihr Engagement für Nachhaltigkeit zu vergrössern.

Wie viel davon aus ernsthafter Überzeugung und ehrlicher Sorge gegenüber der Umwelt stammt und wie viel sogenanntes Greenwashing ist, ist schwer zu beurteilen. Fazit ist, dass Zara eine Fast Fashion Firma ist, deren Grundprinzip darin liegt dem Konsumenten wöchentlich neue Trendartikel anzubieten, die dann genau so schnell auch wieder aus der Mode sind wie sie gekommen sind. Das Konzept der Wegwerfmode ist für mich das grösste Problem in der Modeindustrie und genau das fördert Zara, wie auch die meisten anderen Grossunternehmen, mit ihrer Philosophie.

Ein Kleidungsstück kann noch so fair und umweltfreundlich produziert werden – wenn es danach nicht getragen wird ist es trotzdem nicht nachhaltig.

Was bietest du an bzw. worin kannst du Kunden von dir unterstützen? 

Mein Ziel ist es den Kunden zu helfen ihren eigenen Stil zu finden, der nicht nur ihre Persönlichkeit, ihr Lebensstil und ihr Typ ideal unterstützt, sondern ihnen auch hilft langfristige Einkaufsentscheidungen zu treffen. Dazu nutze ich die Farb- und Stilberatung, die analysiert welche Farben & Formen am besten zu der Person passen. Ein anschliessender Schrank-Check mit Kombinations-Tipps und Tricks kann den Kunden helfen mehr aus dem rauszuholen was sie bereits besitzen.

Nebst dem biete ich auch Shopping-Touren an auf denen die Kunden faire und nachhaltige Labels, Vintage- und Secondhand-Geschäfte und Alternativen zum klassischen Kaufen entdecken können. Ganz nach dem Motto: Qualität statt Quantität. Ausserdem wird es zukünftig auch Workshops geben, in denen die Kunden mehr über nachhaltige Mode, Upcycling und vieles mehr erfahren können.

Wie gehst du bei einer Stilberatung / Farberatung vor? 

Das Ziel eine Farb- und Stilberatung ist nicht nur, die optimalen Farben und Formen für die Kunden zu definieren, sondern auch zu unterstützen, dass sie beim Kauf von neuer Kleidung sicherer und unabhängiger von der Mode werden. Ich nutze dafür einen Mix von Theorie und Praxis. Nebst der Farb-Psychologie und -Lehre teste ich mit den Kunden direkt die verschiedenen Effekte von den “falschen und richtigen” Farben aus, damit sie gleich selber den Unterschied sehen können. Bei der Stilberatung arbeiten wir mit dem Körper der Kunden, die alle einzigartig sind und je nach Wunsch der Kunden andere Körperteile hervorgehoben werden sollen. 

Viele Kunden fühlen sich nach einer solchen Beratung selbstbewusster, da das Einsetzen der richtigen Kleidungsstücke keine Vorspiegelung falscher Tatsachen ist, sondern ein Betonen der natürlichen Anlagen. Ich möchte, dass sich meine Kunden wohl und schön fühlen – denn Selbstbewusstsein ist und bleibt unser attraktivstes Outfit!


Dieser Beitrag entstand aus Interesse an der Arbeit von Tanja Stöcklin. Für Beratungen & Informationen steht sie gerne jederzeit zur Verfügung. Hier kannst du ihr auf Instagram folgen. Alle Bilder sind von Jehona Abrashi.

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